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Das vergilbte Fotoalbum
Die andere Realität
By: angel dust

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Friday, 23-Jul-2004 00:00 Email | Share | Bookmark
Ein Sommertagstraum auf dem Mont Klamott

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es war einmal ein großes Mädchen, das auszog, um einen gewaltigen Berg zu erklimmen, dessen Gipfel hoch über einer großen, lauten Stadt thronte, in welcher das Mädchen lebte. Nach einiger Mühe war der schwierige Aufstieg geschafft und das große Mädchen ließ ihren Blick über den schönwetterblauen Himmel, die weiß glänzenden Häuser und die blütenübersäten Sommerwiesen, die sich an den Hängen des Berges erstreckten, schweifen. Von den alten, eingetretenen Pfaden abkommend, schlug sie sich durch meterhohe Wildgewächse und Gräser, um die geheimen Orte einer freundlichen Wildnis voller herrlicher, rosaweiß leuchtender Blüten aufzusuchen, die sie seit langer Zeit kannte. Das große Mädchen war früher schon auf diesem Berg gewesen und es war ein Platz, der sie immer wieder anzog. Sie konnte sich selbst nicht erklären, warum sie diesen Ort als so magisch empfand. Lag es an den wilden, aber doch einladenden, bunten Wiesen? Oder an dem heimeligen, beruhigenden Klang der zirpenden Grillen? Das große Mädchen machte sich inmitten duftender, hoher Blütendolden ein schützendes Nest, von dem aus sie auf die große Stadt, den Himmel und auf die sanft im Wind schaukelnden Grasrispen schauen konnte. Dort legte sie sich hin, ihre Tasche als Kopfkissen, und genoß den schönen Sommertag, indem sie las oder das rege Treiben der Wiesenbewohner um sich herum beobachtete. Ein Schmetterling war so trunken vom überreichen Angebot an süßem Nektar, dass er schläfrig auf einer Distel sitzen blieb und sich sogar fotografieren ließ, während die Hummeln mit emsigem Gebrummel nicht genug kriegen konnten. Den Mariechenkäfer, der still auf seiner komfortablen Doldenterasse lag, um sich die Sonne auf die Flügel scheinen zu lassen, kratzte das alles gar nicht. Am Himmel dagegen, formten leichte, kleine Federwolken immer neue wundersame, höchst dekorative Gebilde, als wäre das strahlende Blau nicht genug und müßte unbedingt noch verschönert werden. Bald versank die Sonne hinter dem Berg und es wurde Abend. Doch das große Mädchen fühlte sich, als hätte sie alle Zeit der Welt und blieb noch lange in ihrem Grasbett. Irgendwann kam ein dunkler Wolf aus einem fernen Land an dem menschenleeren Berg vorbei und grüßte höflich. Das Mädchen grüßte ebenfalls und der dunkle Wolf ließ sich in einiger Nähe von ihr nieder, um sie beim Lesen zu beobachten. Schließlich kam der Wolf wieder heran und fragte das Mädchen, ob sie Lust habe, ein bißchen zu Quatschen. Da das Mädchen das Märchen vom Rotkäppchen kannte und auch sonst nichts im Sinn mit dunklen Wölfen aus fernen Ländern hatte, antwortete sie mit "Nein!" und dachte sich: "Nicht mal hier hat man Ruhe vor diesen verdammten Wölfen...." Zum Glück verzog er sich wieder und einige Zeit später, machte sich auch das große Mädchen endlich an den mühevollen Abstieg, bei welchem sie jedoch von einer weißpfötigen Miesekratze begleitet wurde, wie sie belustigt bemerkte. Zum Abschied warf sie noch einmal einen letzten Blick auf die große, laute Stadt, über welcher unmerklich die Abenddämmerung hereinbrach.

Currently playing: Ein Bett im Kornfeld
Current mood: stolz - nur einen einzigen Ameisenbiss hat


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